Familiäre Konflikte

etwa im Zusammenhang einer Trennung oder Scheidung, belasten Kinder und Jugendliche erheblich, außerdem sind sie massiv von den Entscheidungen der Eltern betroffen, etwa allein durch einen anstehenden Wohnungs- oder Ortswechsel. Deshalb ist ihre Beteiligung und Mitsprache bei diesem Entscheidungsprozess von erheblicher Bedeutung, wobei sorgfältig darauf zu achten ist, sie einerseits nicht zu überfordern, andererseits aber ihre substanzielle Mitsprache zu sichern.

Bei der Bearbeitung von Konflikten zwischen Jugendlichen und ihren Eltern spielt die Dynamik der besonderen Entwicklungs- und Abgrenzungsphase der Jugendlichen eine wichtige Rolle. Die Grundhaltung der Mediation, die jede und jeden gleich wichtig nimmt und jedes Interesse gleich wertet, kommt den Bedürfnissen der Jugendlichen entgegen und kann die Mauer von Rückzug, Nicht-Miteinander-Reden oder aggressiv ausfälligen Verhaltens durchbrechen. Eine neue Gesprächsbasis zwischen Heranwachsenden und ihren Eltern kann aufgebaut werden.

Bei Eltern-Kind-Konflikten gilt es außerdem die Generationengrenze zu beachten.

Darüber gilt es mit den Eltern zu sprechen und eine Vorgehensweise zu entwickeln, die der besonderen Situation der Kinder und Jugendlichen gerecht wird. Dort wo Kinder und Jugendliche nicht direkt an der Konfliktbearbeitung beteiligt sind, kommt dem Mediationsteam die Rolle als Interessenvertretung der Kinder/Jugendlichen zu. Der Schaden für die Kinder soll möglichst gering gehalten werden, indem beide Eltern in der Mediation lernen, das Wohl der Kinder im Blick zu haben, sich kooperativ zu verhalten und die Kinder aus dem Loyalitätskonflikt zu entlassen.

Patchworkfamilien-Mediation ist ein relativ junges Praxisfeld und zwar mit zunehmender Tendenz. Demographischen Erhebungen zufolge sind Patchworkfamilien eine stark wachsende Familienform. Eine Patchworkfamilie wird durch Heirat oder Zusammenleben zweier Partner gegründet, von denen zumindest einer Elternteil eines leiblichen oder adoptierten Kindes aus einer früheren Beziehung ist. Die konfliktträchtigste Phase liegt im Übergang zwischen der früheren Familie zur Patchworkfamilie. Streitigkeiten zwischen den geschiedenen Partnern über nacheheliche Sorgerechtsfragen und die Rolle der Elternfiguren wirken in der Patchworkfamilie fort. Patchworkfamilien-Mediation betrifft in der Regel zwei Familien, die der leiblichen Mutter und die des leiblichen Vaters. Auseinandersetzungen zwischen den leiblichen Eltern eines Kindes stehen oft im Zusammenhang mit der Rolle des Stiefelternteils und dem Umgang des Kindes mit dem Elternteil, in dessen Haushalt es nicht lebt. Die neue Rollenverteilung muss erst erlernt und akzeptiert werden. Weitere typische Konfliktfelder sind finanzielle Angelegenheiten, die Kindesunterhaltsleistungen betreffen.